
1. Auswahl des Ausgangsmaterials
2. Scan-Methoden
3. Schnittlisten
4. Praktische Hinweise
Es spricht viel für die Verwendung einer Positiv-Kopie als Vorlage für das Scanning!
1. Das Negativ bleibt gesichert und eventuelle Beschädigungen (die bei aller selbstverständlichen Vorsicht nicht hundertprozentig auszuschließen sind) können ersetzt werden.
2. Eine Positiv-Kopie ist in aller Regel farblich vorkorrigiert, so dass ein so genanntes Einlicht-Scanning erfolgen kann, also eine szeneweise Korrektur der Lichtwerte entfällt. Damit wird der Prozess schnell und preiswert.
3. Negative haben eine "flache" Gradation und ein stärkeres Filmkorn, als Positiv-Materialien. Dadurch wirken die Bilder trotz Anpassung oft farbschwächer und "verrauscht". Der Verlust an Schärfe und Bildstandsgenauigkeit durch einen Kopierprozess ist hingegen meist so gering, dass der Zugewinn an Farbtreue und das geringere Bildrauschen für eine Positiv-Kopie spricht.
Für den reibungslosen und nicht zuletzt preiswerten Ablauf eines Scannings ist die Vorbereitung von entscheidender Bedeutung.
Es gibt prinzipiell drei unterschiedliche Vorgehensweisen:
Hierbei wird zum Scannen ein durchgehender Film übergeben, der:
Damit kann das Scanning in einem Durchlauf und mit einem Lichtwert gefahren werden. Dieses Verfahren ist schnell und preiswert.
Dieses Verfahren sollte auch dann gewählt werden, wenn es nicht zu umgehen ist, dass der Scan von einem Negativ durchgeführt wird, weil hier der Film im Scanner nur wenigen Bewegungen ausgesetzt sind.
Vorteile: preiswert, schnell, filmschonend
Nachteile: umfangreiche Vorarbeiten erforderlich (Schnitt, Lichtbestimmung, Kopie), erhöhter Aufwand in der Postproduktion (Szenenauswahl, Farbkorrektur usw.)
Dieses Verfahren unterscheidet sich vom vorherigen nur dadurch, dass der übergebene Film auch Einstellungen enthält, die nicht gescannt werden sollen. Deshalb ist es erforderlich, zusätzlich noch eine Schnittliste oder Vergleichbares anzufertigen, aus der hervorgeht, welche Abschnitte zu scannen sind.
Benötigt werden also:
Auch dieses Verfahren ist noch relativ preisgünstig, weil szeneweise Einstellungen der Scanlichtwerte nicht erforderlich sind.
Jedoch wird der Film meist mehrfach schnell bewegt, wodurch sich die mechanische Beanspruchung erhöht. Daher sollten Negative hierfür nicht verwendet werden
Außerdem können durch Übermittlungsfehler oder nicht eindeutige Angaben in den Schnittlisten Verzögerungen durch notwendige Rücksprachen auftreten bzw. es werden eigentlich nicht gewünschte Einstellungen gescannt, wodurch Wiederholungen notwendig sind.
Vorteile: preiswert, relativ schnell
Nachteile: stärkere Filmbeanspruchung, Mehraufwand bei Übermittlungsfehlern
Das ist das aufwändigste Verfahren, bei dem jede einzelne Einstellung bereits beim Scanprozess eine farbliche Anpassung erfährt.
Hierzu muss jedoch der Film in der Regel sehr oft hin und her bewegt werden, um Vergleiche zu führen und die jeweiligen Startpositionen wieder anzufahren.
Hinzu kommt ein erhöhter Absprache-Aufwand. Im Normalfall ist ein autorisierter Vertreter des Kunden vor Ort erforderlich, der die Farbanpassung überwacht und regelt.
Daher müssen bereitgestellt werden:
Dieses Verfahren stellt die geringsten Ansprüche an die Materialvorbereitung seitens des Kunden. Es ist jedoch sehr preisintensiv, weil neben dem zeitaufwändigen Scanning auch zusätzlich Personalkosten entstehen.
Vorteil: kein Aufwand in der Vorbereitung
Nachteile: sehr starke Filmbeanspruchung, erhelbliche Mehrkosten durch Personal- und Zeitaufwand
Wenn Schnittlisten zur Bestimmung der zu scannenden Einstellungen erforderlich sind, dann können diese in drei unterschiedlichen Varianten übergeben werden:
Diese in Schnittsystemen (AVID etc.) automatisch generierten Listen haben den Vorteil, das Projekt bezüglich der Auswahl verwendeter Einstellungen lückenlos widerzuspiegeln. Übermittlungsfehler entfallen damit weitgehend. Für jede Filmrolle existiert eine eindeutig zugeordnete Liste mit den darauf enthaltenen Szenen, auf die sich dann die EDL jeweils bezieht. Es müssen lediglich ggf. spezifische Angaben zum Scanning ergänzt werden (Farbwerte o.ä.).
Der Nachteil besteht in der Vielfalt existierender EDL-Formate und den daraus möglicherweise resultierenden Problemen der Interpretation, insbesondere, wenn das Scanning nicht teilautomatisiert, sondern von einem Operator manuell vorgenommen wird.
Vorteile: korrekte Übermittlung der Szenen-Positionen, automatisierter Scan möglich
Nachteil: fehlerhafte Interpretation möglich
Hierzu wird auf jeder zu bearbeitenden Filmrolle ein eindeutig identifizierbares Startframe festgelegt, das vor dem ersten zu scannenden Bild liegt und die Bildnummer „0“ (Null) erhält.
Alle weiteren Bilder werden ab dieser Position durchnummeriert und das Scanning erfolgt anhand einer beigefügten Bildnummernliste.
Vorteile: einfache Handhabung, automatisierter Scan realisierbar
Nachteile: aufwändigere Vorarbeit, Fehler bei der Bildzählung möglich
Auf jedem Film sind seitens des Herstellers so genannte Randnummern einkopiert, die feste Abstände haben (in der Regel alle 16 Bilder). Anhand dieser Nummern kann jedes Bild auf dem Film eindeutig identifiziert werden (Bsp.: Ist ein Bild das fünfte hinter der Randnummer 1234 5678, dann bekommt es die Bezeichnung „1234 5678 + 5“). Damit kann eine Liste der in Frage kommenden Sequenzen erstellt werden.
Diese Informationen können zudem von einigen Scannern ausgewertet und zur automatisierten Verarbeitung genutzt werden
Vorteile: Durchnummerierung und Zählung der Einzelbilder entfällt, automatisierter Scan möglich
Nachteil: bei manueller Ausführung ist diese Methode sehr fehleranfällig, weil z.B. Randnummern vorwärts oder rückwärts laufen können, so dass Zuordnungen wie „1234 5678 + 5“ missverständlich werden
Für die Einstellung des Scanners und die Beurteilung des Ergebnisses sowie zur visuellen Erfassung der in Frage kommenden Einstellungen ist es oft erforderlich, eine identische und farbbestimmte Musterkopie herstellen zu lassen, so dass eine eindeutige Referenz existiert.