Tipps zu Recording und FAZ (Tape to Film)

1. Laufzeiten und die Kopplung von Bild und Ton
2. Das kinospezifische Bildformat
3. Bildkaschierung bei Kinofilm
4. Verarbeitung von Videomaterial
5. Praktische Hinweise


1. Laufzeiten und die Kopplung von Bild und Ton

Entscheidend für die Synchronität ist das Anbringen einer Startmarkierung für Bild und Ton – beim Bildmaterial ein Startkreuz oder Weißfeld, beim Tonmaterial ein Beep (1000 Hz) über die Länge eines Bildes.

Die Position dieser Marken richtet sich nach der Wiedergabegeschwindigkeit, die der Produktion zugrunde lag:

  • 24 B/s (kinogerecht): 48 Felder vor dem 1. Bild (also 47 Leerfelder dazwischen)
  • 25 B/s (fernsehgerecht): 50 Felder vor dem 1. Bild (also 49 Leerfelder dazwischen)

Startsequenz für Bild und Ton

Eine vollständige Startsequenz (wie im nebenstehenden Beispiel) ist jedoch nicht erforderlich.

Bei einer fernsehgerechten 25 B/s-Produktion ist zu beachten, dass die Vorführgeschwindigkeit im Kino (24 B/s) ca. 4% unter der Originalgeschwindigkeit liegt, damit also der Ton tiefer wiedergegeben wird und sich die Vorführzeit um den Faktor 1,04 verlängert (dies kann ggf. zur Kostenfalle werden, wenn dadurch Werbeblockzeiten ungewollt überschritten werden!).

    Beispiel: Ein TV-Spot (25 B/s) mit einer Originallänge von 30 Sekunden wird im Kino (24 B/s) eine Vorführzeit von 31,25 Sekunden haben.

Sie können diese Umrechnungen auch mit Hilfe unseres Filmrechners vornehmen lassen.

Sollte Ihr Projekt mit 25 B/s produziert worden sein, dann stehen Ihnen zwei Möglichkeiten für den Übergang zum Kinofilm zur Verfügung:

  • Kürzung des Projekts auf ca. 96% der ursprünglichen Länge
    Damit würde im Kino wieder die ursprüngliche Laufzeit erreicht werden.
  • Unveränderte Übergabe in der Original-Länge
    Dies würde zur Folge haben, dass der Film später im Kino etwas länger läuft.

In beiden Fällen ergäbe sich aber auch eine Tonhöhenabsenkung um 4%.
Moderne digitale Tonverfahren bieten jedoch die Möglichkeit, dies durch "Pitchen" zu unterbinden.

Im Idealfall produzieren Sie Ihr Projekt daher von vorn herein mit 24 B/s

Liefern Sie aber stets ein konsistentes Projekt, in dem Bild und Ton für die gleiche Geschwindigkeit produziert wurden!

Sollte eine spätere Umwandlung von 25 B/s auf 24 B/s nicht zu umgehen sein, dann überlassen Sie bitte diese Tonbearbeitungsprozesse den Kopierwerken.

Der Ton kann vom Videotape abgenommen werden, besser ist jedoch die Lieferung auf DAT, Perfoband, MOD oder auch auf Musik-CD. Bei der getrennten Anlieferung der Tonträger sollte zur Gewährleistung einer zügigen Weiterverarbeitung darauf unbedingt die Bildfrequenz vermerkt werden, für die die Produktion erfolgte (24 B/s oder 25 B/s). Für Kinowerbung muss ausserdem darauf hingewiesen werden, dass nach einer Festlegung der „FDW Werbung im Kino e.V.“ grundsätzlich das Tonmaterial in Dolby SR (bzw. Pseudo-SR) abzumischen und die Tonqualität in einem einheitlichen Tonformat bei Normalstellung des Saalreglers (=Fadenstellung 7) zu gewährleisten ist.


2. Das kinospezifische Bildformat

Beispiele für Einpassung oder Beschneidung bei der Übertragung von Videobildern in Kinoformate:

PAL-Beschnitt

PAL 1:1.25


HDTV-Beschnitt

HDTV 1:1,77

Im Videobereich sind zwei Bildformate (Bildseitenverhältnisse) üblich:

  • 1:1,25 PAL
  • 1:1,77 HDTV (16:9)

Beide Formate sind so im Kino nicht vorführbar und müssen auf die dort möglichen Formate angepasst werden. Dies trifft in ganz besonderem Masse auf Kinowerbung zu, deren Vorführung grundsätzlich im Format 1:1,85 erfolgt.

Die Anpassung des Bildmaterials geschieht durch

Einpassen

Das Videobild wird so verkleinert, dass es im Vorführformat vollständig Platz hat

Vorteil: Kein Verlust an Bildinhalten, keine Kosten für Korrekturen

Nachteil: Unvollständige Ausnutzung der Leinwand (verbleibender schwarzer Rand links und rechts) und damit verringerte subjektive Wirkung

Beschneiden

Das Videobild wird oben und unten so weit beschnitten, dass das übrig bleibende Bild genau dem Kinoformat entspricht

Vorteil: maximale subjektive Wirkung durch vollständige Ausnutzung der Leinwand

Nachteil: Verlust von Bildinhalten, ggf. Kosten für individuelle Anpassung jeder einzelnen Einstellung, Verlust an Bildqualität durch verminderte Anzahl verfügbarer Bildzeilen bzw. Zoom-Effekt

Um eine möglichst effektvolle Bildwirkung zu erzielen, entscheidet man sich – ungeachtet der Nachteile – meist für die zweite Methode, weil insbesondere der Verlust an Bildqualität vom Zuschauer nur selten wahrgenommen wird. Die Kosten für eine aufwendige Beschneidung jeder einzelnen Einstellung können dadurch vermieden werden, dass das später im Kino verwendete Format bereits bei der Bildkomposition Berücksichtigung findet, indem die Randbereiche oben und unten (symmetrisch) von bildwichtigen Inhalten frei gehalten werden. Dadurch ist ein einheitliches Beschneiden direkt bei der Ausbelichtung möglich.

Wenn eine Wahlmöglichkeit für das Kino-Vorführformat besteht, dann sollte ein möglichst geringer Verlust an Bildinhalten durch Abschneiden angestrebt werden, also:

  • für PAL (1:1,25) im Kino mit 1:1,375 (10% Verlust durch Beschneiden)
  • für HDTV (1:1,77) im Kino mit 1:66 (verlustfrei einzupassen) oder 1:1,85 (5% Verlust durch Beschneiden)

Durch den Gebrauch des anamorphotischen Videoformates 16:9 erreicht man bei den Formaten 1:1,66 und 1:1,85 eine wesentliche Qualitätssteigerung.

Beachten Sie bitte ausserdem, dass bei der Vorführung im Kino eine unvermeidbare Beschneidung von ca. 5% auf jeder Seite (also 10% über die gesamte Bildbreite bzw. –höhe) durch den so genannten Vorführkasch erfolgt (s.u. "Bildkaschierung bei Kinofilm").

Auf unserer Downloadseite finden Sie Bildvorlagen, in denen die Beschneidung des PAL- bzw- HDTV-Bildes bei Projektion im Kino (inklusive Vorführkasch) veranschaulicht wird. Diese können u.a. in Bildbearbeitungsprogrammen als zusätzliche Bildebene eingesetzt werden, um die Wirkung der Formatbeschneidung direkt sichtbar zu machen.



3. Bildkaschierung bei Kinofilm

Kaschierung

Bildkaschierung

Bei jeder Vorführung wird ein bestimmter Teil im äußeren des Bildes durch die Umrandung der Leinwand bzw. bereits im Projektor durch das Bildausschnittsfenster (den so genannten "Kasch") abgedeckt und bleibt für den Zuschauer daher nicht sichtbar. Vergleichbares gilt auch bei der Darstellung im Fernsehen.

Um sicher zu stellen, dass bildwichtige Inhalte dadurch nicht verloren gehen, hat man sich auf zwei Randzonen geeinigt, die bei der Erstellung von Filmbildern zu beachten sind:

  • Sicherheitskasch: 5% von jeder Seite (Aussenlinie)
    In diesem Bereich müssen sich alle bildwichtigen Inhalte befinden.
    Bildinformationen ausserhalb des Sicherheitskaschs werden bei einer Kinoprojektion nicht dargestellt (Leinwandbegrenzung!).
  • Titelkasch: 10% von jeder Seite (Innenlinie)
    Die einwandfreie Darstellung von Texten ist (insbesondere juristisch) von besonderer Bedeutung. Um eine sichere Lesbarkeit – auch unter nicht standardmässigen Projektionsbedingungen – garantieren zu können, müssen alle textlichen Bildinhalte in diesem Bereich untergebracht werden.

Diese Randbereiche sollen natürlich nicht "schwarz" sein, sondern ebenfalls Bildinformationen enthalten (die Projektion könnte ja leicht verschoben sein...)

Auf unserer Downloadseite finden Sie Bildvorlagen, in denen die Beschneidung des PAL- bzw- HDTV-Bildes bei Projektion im Kino (inklusive Vorführkasch) veranschaulicht wird. Diese können u.a. in Bildbearbeitungsprogrammen als zusätzliche Bildebene eingesetzt werden, um die Wirkung der Formatbeschneidung direkt sichtbar zu machen.



4. Verarbeitung von Videomaterial

Bildqualitäten

Bildqualitäten

Wählen Sie das bestmögliche Videoformat. Wir unterscheiden zwischen vier Qualitätsgruppen, innerhalb derer die genannten Formate technisch als gleich zu beurteilen sind:

  • 1. geringe Qualität:
    S-VHS, HI-8
  • 2. mittlere Qualität:
    Betacam SP, M II, DVC-Pro 25, DV-Cam, DV, Digital 8
  • 3. hohe Qualität:
    D1, D5, DCT, Digital Betacam, DVC-Pro 50, Digital S, Beta SX
  • 4. höchste Qualität:
    alle HDTV-Formate (u.a. 24P HD)

Zur Vermeidung von unerwünschten Nebeneffekten bei der Übertragung oder späteren Vorführung des Materials sollten folgende Grundsätze beachtet werden:

Aufnahme:

  • möglichst im Vollbild-Modus arbeiten
  • vermeiden Sie starke Kontraste und hohe Farbsättigung,
  • stellen Sie die DCC (Dynamic Contrast Control) ein
  • vermindern Sie die Detailanhebung
  • schnelle Bewegungen führen zu Shutter-Effekten
  • vermeiden sie die Verwendung des elektronischen Zooms
  • erhöhen Sie den Shutterspeed Ihrer Videokamera nicht über 1/50, weil die schärferen Halbbilder beim Transfer eine schlechtere Interpolation zwischen den Fields ergeben
  • optische Bildstabilisatoren sind in jedem Fall elektronischen vorzuziehen
  • überprüfen Sie den Sucherausschnitt Ihrer Kamera mit Hilfe eines Underscan-Monitors – der Sucher könnte das Bild zu stark beschneiden

Postproduktion

  • Für die Nachbearbeitung sollte ein unkomprimiertes System (z.B. Beta-SP) verwendet werden – im besten Fall ein digitales (z.B. Digi-Beta). D2 ist für einen Transfer ungeeignet.
  • Die Bildqualität verschlechtert sich durch Verwendung analoger Bildbearbeitungssysteme erheblich. Daher sollten auch einfache Produktionen zumindest nachträglich gewandelt werden (Y-C-Wandler). Verwenden Sie jedoch für die Signalumwandlung (Composit) nur hochwertige Geräte (z.B. Snell & Willox).
  • Stellen Sie alle Effekte (auch Slowmotion, Animationen, Rolltitel usw.) nur im so genannten Framemode her (Vollbildintegrität).
  • Schwarze Bildinhalte werden auf dem Filmbild dann sehr gut wiedergegeben, wenn der Kontrast der Schatten auf dem Videoband weich gehalten und die gewünschte Schwärze erst nachträglich bei der Lichtbestimmung der Filmkopie festgelegt wird.
  • Vermeiden Sie Verluste von schwarzen und das „Ausbrennen“ in weissen Bildinhalten. Es darf dort keine Bildinformation verloren gehen. Sollten Kontrastkorrekturen notwendig sein, dann nehmen Sie diese besser über die Änderung des Gammawertes vor.
  • Berücksichtigen Sie, dass die Projektion auf der Leinwand durch die starke Vergrösserung jeden Fehler und jede unkorrekte Nachbearbeitung sichtbar macht. Ausserdem ist selbst bei perfekt lichtbestimmtem Videomaterial grundsätzlich für Kinofilm eine weitere Lichtbestimmung und notfalls eine Korrekturkopie notwendig.
  • Sollten Sie die Bilder als Einzeldateien statt auf einem Videoband ausliefern, dann spielen Sie die Dateien im Vollbild-Modus aus (Defield-Filter), so dass fehlerhafte Halbbildzuordnungen insbesondere bei schnell bewegten Bildinhalten (Field-Effekte) ausbleiben.

Bei Unklarheiten stehen Ihnen unsere Spezialisten gern zur Verfügung – Anruf oder E-Mail genügen. Wir empfehlen Ihnen, bei grösseren Projekten oder Unsicherheiten vorab einen Test durchführen zu lassen, um die endgültige Wirkung auf der Leinwand prüfen zu können.



5. Praktische Hinweise

  • Erstellen Sie die Bilddaten im jeweils für den Ausbelichter optimalen Seitenverhältnis.
    (Hinweise dazu finden Sie unten auf der Seite Recording und FAZ).
    Damit umgehen Sie eine notwendige Skalierung Ihrer Bilder, was neben der Vermeidung von Mehrkosten und Zeitaufwand vor allem dem Erhalt der Bildschärfe zugute kommt.
  • Beachten Sie bitte unbedingt unsere oben gegebenen Hinweise zu Laufzeiten und der Kopplung von Bild und Ton
  • Legen Sie von Ihren Materialien eine Sicherheitskopie an.
    Das an uns übergebene Material betrachten wir als Transfer-Kopien und übernehmen deshalb dafür weder Garantien noch eine Langzeitlagerung. Überdies müssen wir uns vorbehalten, in bestimmten Zeitabständen die Lagerbestände ohne weitere Absprache zu räumen (vgl. AGB in unserem Impressum).